"Being Julia" = being bored
Nun gehe ich seit ca. 25 Jahren ins Kino und im Lauf der Zeit waren meine cineastischen Vorlieben mehreren Richtungswechseln unterworfen (was natürlich auch am sich ändernden Geschmack mit zunehmendem Alter liegen mag).
Ganz einfach ausgedrückt haben mir die effektbeladenen Hollywood-Einheitsprodukte mit der Zeit immer weniger zu geben vermocht (Ausnahmen gibt es aber auch hier manchmal), eine gut erzählte Geschichte wurde für meinen Kinogenuss immer wichtiger und ist im Augenblick wichtigtstes Kriterium bei der Entscheidung darüber, ob die 5,-, 6,- oder 8,- Euro gut angelegt waren oder nicht. Ein konkretes Beispiel gefällig? :: Mar Adentro hat mich erst vor wenigen Tagen bewegt und nachhaltig beeindruckt. Die Schauspieler, die hier die Charaktere verkörpern, wirkten auf mich überaus authentisch, selbst wenn ich im Kreise meiner Familie, Freunde und Bekannten gottlob keinen Tetraplegiker habe. Die Tatsache, dass es sich um die Nacherzählung einer wahren Begebenheit handelt, macht die Aufgabe, authentisch zu wirken, für die Schauspieler natürlich umso schwerer.
Soweit ich mir ein Urteil darüber erlauben kann, ist dies gelungen.
Ganz anders der von Presse und Medien im Vorfeld vielbejubelte und hochgelobte Istvan Szabo-Streifen "Being Julia": "Annette Bening glänzt als liebenswerte und zugleich egomanische Diva" sagt z.B. der Stern, die Vorstellung von Anette Bening mache den Film sehenswert, schreibt Anja von Fraunberg bei 1&1, zu Recht habe sie den Oscar gewonnen, ist sich die Presse einig.
Ich frage mich allerdings, ob diese Pressevertreter und ich den gleichen Film gesehen habe: In 25 Jahren ist es nicht einmal vorgekommen, dass ich einen Film vorzeitig verlassen habe. Die mitleiderregende Darbietung von Anette Bening allerdings ertrug ich nicht bis zum SchluÃ. "Bemüht, farblos, aufgesetzt" sind die einzigen Attribute, die mir für ihre Darstellung der Juliette Lambert aus der Novelle "Theatre" von W. Somerset Maugham (1937) einfallen. So sehr versucht sie auf Teufel komm' raus britisch zu wirken, dass es nur noch peinlich wirkt. Die Geschichte entwickelt sich lahm und ohne jeglichen Spannungsbogen und die Pointen sind vorhersehbar und einfallslos - so sie denn überhaupt kommen.
Wieder 5 EUR,- verschwendet, die ich lieber dem Strassenmusiker vor dem Kino-Eingang spendiert hätte, der kurioserweise ohne Publikum viel besser spielte, als noch vor dem Film. Wahrscheinlich wusste er insgeheim, dass die Besucher dieses Films Qualität ohnehin nicht zu erkennen imstande sind...

0 Comments:
Kommentar veröffentlichen
<< Home